Funken.Klagen
Gedichte
Verlag: Bibliothek der Provinz (2016)
ISBN: 978-3-99028-542-8
21 x 12 cm, 88 Seiten, Softcover

     

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... Eine verbale Tour de Force, der Ahnung freien Lauf lassend, den Wortblitzen. Aufgeschnappt Momentanes, alltäglich Allfälliges, dunkle Ahnungen von Musik, auftauchende Mythen und ein abtauchendes Ich, Reduktion und Fülle zwischen den Zeitlinien, im Focus Außen- und Innenbild und ein Sehnen, auch den Formen der Liebe einen Standplatz zu geben, der den Konflikt ebenso trägt wie das schwierige Verstehen des erkundeten Gegenübers ...

     
Flucht vor der Nacht
Verlag: Bibliothek der Provinz (2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3990283677
ISBN-13: 978-3990283677
     

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13 Kapitel und das persönliche, fast mythisch anmutende Schicksalsjahr 2000 in Wien - das sind die Eckpfeiler eines psychodramatischen Textes, der in fiebriger Sprache und in Zeitsprüngen durch die Beziehungen des trinkenden Malers Bogathy eilt- mit Todesahnungen, Rivalitäten und Realitätssplittern ringsum: Erinnerungsbilder seiner Exfrau Catherine, seiner tödlich verunfallten Tochter Olivia, der Affaire "Margarete" und der neuen Liebe Edith - sie alle enden in ihren unausweichlichen Spannungen wie im antiken Drama: Olivia stirbt durch einen Obsidian, Edith fällt rätselhafterweise vor die U-Bahn ( durch die Hand Margaretes?) und Bogathy sieht trotz euphorischer Momente nur im Fenstersturz die Lösung. Schuldgefühle, Lügen, Träume und Einbildungen verbinden auf tragische Weise das Figurennetz wie in einem Hexenkessel. Und bemerkenswert viel Wien, Wienarchitektur, das Ringen um diese Stadt, das Fußfassen in ihr.
Die Sprache bleibt in ihrem minuziösen Realismus samt Poesie und dem negativen (Anti-)Pathos stets nur andeutend, tastend, wütend,ratlos und liefert in ihrem aufgebrachten Tonfall des Lamentos ein recht aussichtsloses Sittenbild zwischen London, Wien, Poysdorf und Armenien. In jedem dieser Kapitel lauert das Flüchtige und das Nächtliche - und undurchschaubbar in der privaten Ganzheit ohnehin.

     
Magenta
Verlag: Edition Art & Science (19. Juni 2014)
ISBN-10: 3902864362, ISBN-13: 978-3902864369
Erstveröffentlichung 10 2011, 186 Seiten
ISBN 978-3-902157-90-4
     

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Das musikalische Element hat in diesen Gedichten Vorrang: Wortspielereien, jedes Wort ein Notenschritt, häufiger Wechsel des Tonfalls – sensibel und flüchtig, aber auch direkt und kritisch - auf die Worte ist ja nicht wirklich Verlass. Und doch bilden sie ab: Das Gesicht des Anderen, das eigene, die Gesellschaft, die Stadt. Ein Aquarellieren (in) der Natur, abstrakte Farbkompositionen, Figurenbilder, Grellrot, Pink, Magenta, Grün, die Farben rinnen oft ineinander, als wollten die mehr verbergen als offenbaren. Worauf ist Verlass. Nicht auf das Gesagte. Das Ich, voll mit Widersprüchen, nimmt den Schein beim Wort.

     
Hertha Kräftner. Die verfehlte Wirklichkeit
Erstveröffentlichung 10 2011, 186 Seiten
ISBN 978-3-902157-90-4
     

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In Dine Petriks Buch geht es um eine Spurensuche und um ein Sittenbild. Nicht in Form eines Romans diesmal, sondern in Gestalt einer handfesten biographischen Recherche, die mit literarischen Mitteln ausgebreitet und zusammengefaßt wird. Die Spurensuche: wo finden sich Belege und Symptome in Kräftners Leben und Werk, die auf das klinische Bild einer Depression oder
einer manisch-depressiven Erkrankung deuten? Und, gegen das über die Dichterin verhängte Urteil der alles überschattenden Morbidität: Wo ist jene vitale Kraft spürbar, die Kräftner über Jahre dem Tod entgegen gesetzt hat? Aber auch: was genau hat es mit dem jugendlichen Trauma auf sich, das Kräftner in Gedichten und Briefen andeutet, das als Gerücht durch ihre Biographie geistert und bis jetzt nicht dingfest gemacht werden konnte?

Daniela Strigl

     
wortreich.verschwiegen: Gedichte
Verlag: Literatured. Niederösterr.; Auflage: 1 (1. September 2009)
ISBN-10: 3902717017
ISBN-13: 978-3902717016
     

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Dine Petrik geht als Lyrikerin unbeirrbar ihren eigenen, unverwechselbaren Weg. Ihr ausgeprägtes Sprachbewusstsein, kühne Wortkonstellationen, ein behutsames Verändern und Verrücken der Worte, das auch klugen Witz und Esprit nicht entbehrt, lassen eine neue Sicht auf Alltägliches entstehen. Mit den so entstehenden Bildern und dem für ihre Gedichte charakteristischen eigenwilligen formalen Aufbau konfrontiert sie den Leser mit den Gedanken einer querdenkenden und querschreibenden Frau, deren Gedichte kein oberflächliches Lesen zulassen.

     
Ausgewählte Gedichte, Podium Porträt, Bd. 32
64 S. Podium, Wien September 2007
ISBN 978-3-902054-52-4
     

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bin ein quer / liegendes ding steht schon im ersten Gedicht der Auswahl mit dem Titel "aus und anflug". Auch wenn die Gleichsetzung von lyrischem und realem Ich zu zahlreichen Missverständnissen Anlass geben kann, passt diese Zeile gut, sowohl auf die querdenkende und querschreibende Autorin, als auch auf ihre sperrige Sprache. Sich an thematischen und sprachlichen Widerständen zu reiben, wurde geradezu Programm im Titel ihres zweiten Lyrikbands "Befragung des Zorns". So auch in den Schlusszeilen des erstzitierten Gedichts: ... frei / lich an ecken ecke / ich härter an.
Der Zeilenumbruch mit dem ungewöhnlichen Enjambement ist charakteristisch für Petriks Sprachstil. Hart an hart aneinander und ineinandergefügt durchdringen sich die Bilder, kollidieren, koexistieren in einer strittigen Simultanität des Gesehenen. "Vexierbilder" nennt Christa Nebenführ in ihrem kundigen Vorwort diese Sprachgebilde, in denen das Bild je nach Betrachtungswinkel "umzuspringen" scheint.
Dazu noch ein Beispiel, diesmal aus dem Gedicht "im eck": am herd der / langen leiden / schaft entlock / ich der aus luft / gemachten ruhe / noch ein beben ... 
Petriks Lyrik zielt nicht auf Überwältigen und Sichüberwältigenlassen durch Emotion. Diese Gedichte konfrontieren den Leser mit ungewohnten, oft scheinbar inkongruenten Bildern, wo sich Bedeutungsschichten überlagern und entziehen sich auch einem Sprachspiel um des reinen Spieles willen. In ihrer Knappheit und dichten Konstruktion setzen sie dem oberflächlichen Lesen einen rauen Widerstand entgegen. Atem holen lassen die Gedichte vor allem durch ihre ironische Selbstsicht, wie in "das es vorm ich": ... ins papier mit / dem erdachten und / dass kein verstehen / ausbricht
Die mehrfach preisgekrönte Autorin ist auch als Malerin, Reiseschriftstellerin und Essayistin hervorgetreten. Für Aufsehen sorgte Petriks literarische Hertha Kräftner-Biographie.
Ihre lyrische Stimme ist unverwechselbar und es bleibt zu hoffen, dass diesem Podium-Porträt noch weitere so präzise Erforschungen dieser Literaturgattung und ihrer Möglichkeiten folgen werden, wenn im Vorwort auch eine Abkehr vom Gedicht und Hinwendung zu anderen Ausdrucksformen angedeutet wird.

     
Bibliotheca Alexandrina
Unterwegs auf Weltwunderboden
Sonderzahl
112 S., 10 Abb. [2005]
ISBN 3 85449 229 4
     

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Dine Petrik macht auf einer Ägypten-Reise einen Abstecher nach Alexandria. Die heute zweitgrößte Stadt Ägyptens (knapp fünf Millionen Einwohner, knapp 225 km von Kairo entfernt) lässt sich durch ihre kulturellen Prägungen und ihre Atmosphäre nur schwer in die des Orients einfügen. Es gilt den im Jahr 2001 eröffneten Neubau der Bibliothek seine Reverenz zu erweisen. Die Reisende lässt sich begeistern von der Strahlkraft der neuen Architektur: Eine Riesenscheibe, die aus dem Wasser zu steigen scheint. Ein Dachkomplex, mit einem Durchmesser von 160 Metern, der zu schweben scheint. Ein Bibliotheksinneres, das mit seinem weltweit größten Lesesaal 2500 Studierenden gleichzeitig optimale Möglichkeiten bietet.

Wir befinden uns auf Weltwunderboden, an einem Knotenpunkt zwischen Europa, Afrika und Asien. Die Geschichte ergreift Besitz von der Autorin, die uns Lesende auf ihre rasende Fahrt mitnimmt: Pyramiden und Pharaonen, Ägypter und Ptolemäer, Griechen und Römer, Alexander und Julius Cäsar. Und an Kleopatra gibt es kein Vorbei … viel später dann Napoleon, dessen Flotte östlich von Alexandria von Admiral Nelson vernichtend geschlagen wurde.

Im Windschatten der Napoleonischen Zeit folgen den Soldaten bis heute die Wissenschaftler auf die verlassenen Schlachtfelder. In unseren Tagen etwa hat der Unterwasserarchäologe Franck Goddio Wrackteile der napoleonischen Flotte vor Abukir aufgespürt und die Arbeit des Archäologen Jean Yves Empereur reicht weit über die Hebungen rund um Pharos hinaus. Petrik verweist auf brutale westliche Potentaten wie auf die Ausbeutungsgier der Kolonialisten; aber vor allem nimmt sie in dieser essayistischen Liebeserklärung an Alexandria Partei für den ägyptischen Menschen und dessen wechselvolle Geschichte.

Der Reisenden wird die Zeit knapp: »Ich muss zu den Katakomben von Kom El-Shoqafa. Aber heute nicht mehr. Ich muss ins Römische Theater. Und zum Pompeius … Ich muss unbedingt zum Ptolemäus Philadelphus. Der mir unbedingt seufzen muss, wo die alte Bibliotheca gestanden hat. Ich steige aus. Ich bleibe. Verlängern um einen Tag!«

     
Jenseits von Anatolien. Eine Reise ins Oströmische Reich
Promedia 2002
ISBN 3-85371-189-8, br., 190 Seiten
     

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  Dieses Buch führt von Anatolien nach Mesopotamien. Urheimaten werden gesucht, sumerische Kulturen aufgespürt, den Anfängen der Schrift wird nachgegangen. Aber auch um den Verlust der Sprache geht es.

Die Autorin folgt alten Handelswegen von der Römerstraße zur Seidenstraße, von Armenien nach Ägypten, sie umkreist das Oströmische Reich, dem die Seldschuken die Vorherrschaft abnahmen, hebt Steine auf und erzählt deren Geschichten; reale aus Tausendundeinernacht, Geschichten des Krieges. Sie markiert mit Jahreszahlen, um nicht vom Weg abzukommen. Dieser ist oftmals unterbrochen, doch finden sich Übergänge. Es gibt keinen Stillstand zwischen dem heimatlichen Steinfeld und dem kaukasischen Kettengebirge, nichts trennt den Okzident vom Orient.

Kein Unterschied besteht zwischen dem Sand von Alara Han und dem häuslichen, in dem ebenfalls Maulbeerbäume blühen, und keiner zwischen dem Schmerz eines Kindes in Kleinasien und hier in Zentraleuropa. Die Autorin schaut über den Zaun der Kindheit und will weg, hinein in eine andere Herkunft. Das abzulehnende Fremde entdeckt sie als Wert, den sie sich anzueignen versucht. Sie steigt durch das von den Türken zur Steppe zertretene Pannonien. Sie stoppt, um mit drei Hunnen ein Gespräch zu führen. Auf Eridu liegt ihr eine ganze Bibliothek zu Füßen - und Kriegsmüll vom letzten Golfkrieg. Tiefgehend und leicht wird hier erzählt, von einem (historischen) Kulturkreis zum nächsten, von einem Zusammenhang zum anderen. Steht am Ende das oströmische Konya?
     
Befragung des Zorns
Gedichte
Otto Müller, 1999
     

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"Befragung des Zorns" ist kein wütender Gedichtband, wohl aber ein sensibler und abgründiger, ein sinnlicher und melodischer, ein in jeder Hinsicht intensiver Beitrag zur zeitgenössischen Lyrik.

Die Gedichte der Dine Petrik sind lyrische Skulpturen, die aus der Formlosigkeit ein gestaltetes Zeugnis vom Menschen in unserer Zeit schaffen. Bald ist die Oberfläche ihrer Skulpturen von karger Härte, bald meißelt sie aus dem Stoff eine Bewegung, die spielerisch leicht anmutet.
Was zu vernehmen ist, leise, doch unabweisbar, sind Bedeutungsmelodien, die durch die Wüsten des Gedankens und der Abstraktion hindurchzuführen vermögen. Es sind Stimmen aus dem Alltag in nicht alltäglicher Form, die das Befinden des modernen Ich in den Mittelpunkt rücken, die Konfrontation mit der Außenwelt aber nicht scheuen.
Ein einprägsames Kaleidoskop moderner lyrischer Befindlichkeiten.

     
Die Hügel nach der Flut.
Was geschah wirklich mit Hertha K.?
Salzburg, Wien: Otto Müller, 1997.
ca. 120 S., geb.;
ISBN 3-7013-0941-8.
     

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Dine Petrik, Burgenländerin wie Kräftner, Lyrikerin wie Kräftner, nennt ihr Buch einen "biographischen Nachgeh-Versuch". Sie geht einer Dichterin nach, Hertha Kräftner, die lange Jahre in Vergessenheit geraten war und erst in letzter Zeit, beinahe 50 Jahre nach ihrem Tod, wieder in das Licht der literarischen Öffentlichkeit gerückt ist.

Heute wird sie als eine der bedeutenden österreichischen Lyrikerinnen der Nachkriegszeit bezeichnet und in einem Atemzug mit Ingeborg Bachmann genannt. Zu ihren Lebzeiten stand sie am Beginn einer literarischen Laufbahn, die vielversprechend begann, aber jäh endete: Hertha Kräftner beging 1951 mit 23 Jahren Selbstmord.
Das Werk, das sie hinterließ, ist schmal - Lyrik, Prosaskizzen und -fragmente, Tagebücher und Briefe. Im Laufe der vergangenen 46 Jahre wurde es in drei Ausgaben gesammelt veröffentlicht, einzelne Texte erschienen verstreut in Anthologien und Literaturzeitschriften.

Hertha Kräftner trat für eine absolute Subjektivität in der Dichtung ein: "Jedes Seelenbild ist auch ein Weltbild", schrieb sie in einem Brief an einen Freund. Sie zog keine Grenze zwischen Leben und Schreiben, und so öffnet sich ihr Werk vollständig auch nur demjenigen, der bereit ist, sich mit ihrer Biographie auseinanderzusetzen.

Dine Petrik versucht also, Hertha K. nachzugehen, der "inneren Befindlichkeit eines jungen Menschen in seinem letzten Lebensjahr" (die Autorin über ihren Text) nachzuspüren und auszusprechen/aufzuschreiben, was jene nie ausgesprochen/aufgeschrieben hat, aber vielleicht ausgesprochen/aufgeschrieben haben könnte. Sie borgt sich der Dichterin Sprache, schlüpft in ihren Körper und schreibt weiter, wo die Aufzeichnungen der Dichterin abbrechen.

Es entsteht ein erweitertes Bild der erhalten gebliebenen Texte und Aufzeichnungen aus den letzten Lebensmonaten der Hertha K., ein widersprüchliches, flirrendes Spektrum von Eindrücken, Erlebnissen und Rückblenden, das sich zu einem schrecklichen Höhepunkt verdichtet und dort abbricht.

Dine Petrik hat in ihrem Text versucht, Hertha K. das Unaussprechliche aussprechen zu lassen - die traumatischen Ereignisse am Ende des Krieges, Vergewaltigung - und ihr so eine neue Stimme zu geben. Dies erfordert Einfühlungsvermögen, Stilsicherheit, einen "korallenroten Faden" - den sie über weite Teile auch in Händen hält. Ob es ihr damit jedoch gelungen ist, die Dichterin Hertha K. aus einem anderen, weiblicheren, ihr angemesseneren Blickwinkel zu präsentieren als so viele männliche Kollegen vor ihr, erscheint fraglich. Hertha K. kann sich nicht mehr wehren, und auch in den "Hügeln nach der Flut" findet sich letztendlich keine Antwort darauf, was wirklich mit ihr geschah.

Natalie Tornai
13. August 1997

     
Sonaten für Wasser und Wind
Gedichtband
Edition Rötzer, 1990
     

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Dine Petrik: in dieser andeutungsweisen Anfälligkeit für visionäre Stimmungen verteilt sie die Lose neu, nämlich mit ihrer Begabung, der Lesewelt heimzutrommeln: ihre frühkindlichen Heimlichkeiten, ihre wildwachsenden Ängste, ihre vielfältigen Verwundungen.
Sie hat Fremdartiges, Unergründliches aufgeschrieben, und wir wollen ihren verschlungenen Pfaden folgen, oder wo der (poetische) Koffer uns hinpflanzt, wie Arthur Rimbaud verlautet.

Friederike Mayröcker

 
     
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