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wortreich . verschwiegen
wortreich. verschwiegen.
Wie der Titel suggeriert, entfaltet sich Petriks Lyrik im Spannungsfeld von Offenheit und Diskretion, überraschender Hingabe an den Leser und Rückzug in die Innenwelt der Wörter, auf welche die Dichterin ihren Fokus richtet. Lexeme, die sie mit ihrem poetischen Zauberstab berührt, zerfallen in ihre Bestandteile und ergeben getrennt verblüffende Sinnverschiebungen, wodurch eine parallele Lektüre ermöglicht wird. Aus dem Adverb "beinah" entstehen unter Anwendung von Petriks 'Methode' etwa "bei nah", also eine Präposition und ein Adjektiv, wobei der Eindruck von "Nähe" verstärkt wird. Aus einem farblosen "überhaupt" lässt sich, um ein weiteres Beispiel zu nennen, das Paar "über haupt" mit lokaler Bedeutung einschließlich Referenz auf einen konkreten Körperteil gewinnen.
Bisweilen tritt im Zuge einer Wortspaltung ein Stück konkreter Poesie wie "gesunde trenn kost" zutage, oder wie zufällig aufeinander stoßende Homophone bringen Verse plötzlich zum Erklingen: "berufe ufere aus an seiner ach/sel wie das meer sand/lecke ich nach gründen." Das Salz der Achsel enthält das französische "sel" und gesellt sich zum "meer", woraus sich konsequent "lecke" ergibt, was sich wiederum mehrdeutig er-"gründen" lässt.
Wenn es der Poetin gefällt, werden Wortfamilien auch nach phonetischen Gesichtspunkten kombiniert und erweitert, sodass unversehens "gähnen" mit "gen", "genial" und "gegen" korrespondiert. Mit Recht lassen sich diese Verse daher mit russischen Puppen vergleichen, die obendrein als fremdartige Klangschalen fungieren und dem Leser genaueres Hinhören abverlangen. Wer allerdings nach tieferer Bedeutung forscht und den Band verdrossen beiseite legt, dem sei ein eingestreuter Kommentar ans Herz gelegt: ": schreiben ist deine musik/zu sagen hast du nichts."
Diese so eng an Musik grenzende Lyrik wächst sich, unterstützt durch Gerald Zugmanns fotografische Beigaben zu Beginn jedes neuen Kapitels, zu einem wahrhaft romantischen Gesamtkunstwerk aus, das, wenn auch zögerlich, Themen preisgibt, welche die Reflexion zu lenken vermögen. Handelt wortreich. verschwiegen in einem Kapitel von Begegnung und Trennung, setzt sich das lyrische Ich in einem anderen mit dem virtuellen Raum auseinander und erklärt: "ich bin bereit zum sprung/durchs neue fenster." Das ist schön und irgendwie bekannt und transponiert den historischen Fenstersturz in die Postmoderne, wo der User außer Viren und Trojanern keinerlei Gefahren zu gewärtigen hat.
Vom Zeitalter der digitalen Leichtigkeit führt uns Petrik zurück in die Ära der Venus von Willendorf, stattet Gilgamesch einen Besuch ab, hält kurz bei den Pharaonen und "den hohen hinter/gründigen gräbern", um schließlich durch die Lagunen von Venedig zu surfen. "wie leicht du abhebst", schreibt sie, "zwischen bits & bytes/dich glauben machst/es gibt dich wirklich" und setzt dem Schein die hehre Wahrheit des Wortes entgegen. Zwar gebietet es der Verzweiflung nicht immer und automatisch Einhalt, gleichwohl ist ihm die vage Hoffnung auf Dauer eingeschrieben, wie Petrik mit Verweis auf Hertha Kräftner verkündet: "augen auf/das letzte/wort ist/nicht/gesagt."
Der Gang durch diese Lyrik gestaltet sich wie das Flanieren durch einen Garten der Sprachkunst, in dem eine Kunstsprache wundersame Blüten treibt und auf duftende Nebenwege lockt. Zugmanns Bilder unterstreichen Petriks fremdartig gebrochenen Blick auf Vertrautes und verstärken die Magie dieser versonnenen Verse, die, sich selbst spiegelnd, letztlich keiner weiteren Erklärung bedürfen.
Literaturhaus, Walter Wagner,
9. März 2010
„STEHEN WOLKEN KOPF“ – Dine Petriks neuer Gedichtband
Seit vielen Jahren ist die Edition Niederösterreich dafür bekannt, Autorentexte jenseits von Illustrativem mit künstlerischem Bildmaterial in einen Dialog zu bringen und so aus den Büchern auch bibliophile Objekte zu gestalten. Im neuen Lyrik-Band „wortreich.verschwiegen“ von Dine Petrik ist der bekannte Fotograf Gerald Zugmann mit suggestiven Detailaufnahmen von Pflanzenarchitekturen vertreten, die den spröden und rätselhaften Gedichten ihr frei assoziierbares visuelles Pendant liefern. Denn auch Dine Petrik dringt durch ihre poetische Detailarbeit in die Baustrukturen der Sprache an, verflüssigt Sinnelemente, kristallisiert auseinanderliegende Bilder zu Wortklonglomeraten. Schon der Titel verweist auf insgeheime Subtexte und bloß angekratzte Elemente des Schreibstroms. Hier kommt - lang über kurz- Sprache zu sich, mit spärlichen Außenverweisen. Diese immer wieder hermetischen Texte sind glücklicherweise nicht nachzuerzählen und geben keine plakativen Inhaltsangaben her. Man muss sie wirklich als eine verbale tour de force selbst und alleine lesen, der Ahnung freien Lauf lassen und im abenteuerlichen Interpretationsgestrüpp letzte Wegfindungen sichern. Was nun passiert: Disparate Gefühlssplitter, bruchstückhafte Reiseerinnerungen, Wortblitze und aufgeschnappt Momentanes, alltäglich Allfälliges, dann wieder völlig freie Rede am Rande des Nichtschweigenkönnens, Groteskes auch zwischen dem lyrischen hohen Ton und dem unausweichlichen Newspeak des Computers und seiner Zeitgenossen, dunkle Restahnungen von Natur, dann wieder aufgetauchte Mythen und ein abgetauchtes Ich – Seite für Seite ein neu geöffnetes Textfenster auf Außen-und Innenlandschaften, gefiltert durch fokussierte Sprachspiele und einer irgendwie wehmütigen Sehnsucht, auch den Formen der Liebe nochmals eine spröde Sprache zu geben, die den Konflikt ebenso trägt wie das schwierige Verstehen zwischen Jahreszeiten oder einem sich zu erkämpfenden Gegenüber.
„such mir das weite / auge / bis mein / mund sich in / die kurve legt “
ALBUM/ Der Standard, 6.3.2010, Josef Schweikhardt
Grenzsituationen
Es sind kleine Blitzlichter, Mosaikbausteine, die Dine Petrik aneinanderreiht und sie zu nachdrücklichen Bildern wachsen lässt. Einzelne Worte nehmen sorgsam die Spur auf, die zu bestimmten Situationen führt in der Kindheit, auf Reisen, in der Liebe. Die Brüchigkeit der Beziehungen, des Heimeligen wird so gewahr. Die Erinnerung ist in der Krise. Auch die Illusionen haben sich verflüchtigt. Die Vertrautheit bekommt Risse und verlassen kann man sich auf nichts mehr. Schon gar nicht auf das einzelne Wort, denn in der Kombination ergibt sich eine neue Wendung, ein anderer Drall, den Dine Petrik bewusst sucht. Dadurch ermöglichen sich immer neue Facetten, zeigt sich ein Zusammenhang, der überraschen kann. Es sind keine verhörten Situationen, wiewohl ein ungewohnter Blickwinkel irritieren kann und wahrscheinlich auch soll. Sie nutzt ihre Lyrik auch zu Antworten, als Positionsbestimmung oder als Vertrauensbekundung. Bestimmte Begriffe, Fundstücke, auch englische Einsprengsel wiederum werden aufgenommen und von ihren Worten umgarnt. Das kann glücken und sich dadurch ein neuer Spannungsbogen ergeben.
Sie beweist daneben Ironie, etwa in „halt den mund wenn du gähnst“, wo die „Gletscher brüten“ und die neue Zeit einen Pokal aus Blech gebärt. Dann „eckt und reckt“ sie die Sprache und Glattes wird Uneben. Melancholie verbietet sie sich dafür eher.
Die Gedichte des schön gestalteten Bandes harmonieren gut mit den Fotos von Gerald Zugmann, die als Einleitung, als Statement zu den einzelnen Kapiteln zu sehen sind.
T.H. Buchkultur, Heft 128, Feber/März 2010,
Fazit: Facettenreicher Lyrikband, der seine LeserInnen fordert
Ein eues Buch von Dine Petrik, ein besonders schön gestaltetes, soviel darf ich vorwegnehmen. Die Bilder von Gerald Zugmann führen ihren eigenen Dialog mit den Gedichten der Autorin, sind ganz und gar keine Illustrationen, die dem Leser den Text erklären oder „ausdeutschen“ wollen.
Im 2007 erschienenen Podium-Porträt bezeichnete Petrik die lyrische Form für sich als „ausgeschöpft“. Schon damals drückte ich dennoch meine Hoffnung auf weitere lyrische Arbeiten aus und bin nun sicher nicht der einzige, der Grund zur Freude hat.
Die neuen Gedichte (bzw. die Gedichte des neuen Buchs, denn wer weiß schon so genau, wie lang die Entstehungsgeschichte eines Textes ist, den man vor sich sieht) scheinen mir um eine Spur weniger sperrig, weniger verzwickt als im Vorgänger, obwohl die Autorin auch hier nicht auf das sinnschärfende Spiel mit Wortstellungen und Zeilenumbrüchen verzichtet. [...] mit wachen knien das gehör im anschlag [...] aus „gestrauchelt oft“ scheint mir eine programmatische Formulierung zu sein. Das Gehör - so scharf (und gefährlich?) wie eine Waffe, die Knie, der Körper hellwach. Doch dem Leser ist es fast unmöglich, nicht auch „weiche Knie“ hineinzulesen. Und das ist ja wohl kein Zufall. Petriks Gedichte verleiten und leiten immer dazu an, anders zu lesen, sich auch zu verlesen.
Natürlich gibt es primäre und sekundäre Lesarten, und außer den sekundären auch die offensichtlich falschen, doch auch die falschen sind Assoziationsfleisch des Gedichtes.
Als Fremdkörper wirken in manchen Texten englische Einsprengsel. Hinweise auf die allgegenwärtige Einheitssprache des globalen Dorfs? Verbindungen zur Finanz- und IT-Welt drängen sich ebenfalls auf, und nicht zuletzt das bunte Grauen der Spaßwelt (in der jeder Fremdenverkehrsprospekt Events, Action und Fun ankündigt, nein: anzukündigen hat).
Doch auch Alltags- und Jugendjargon werden auf Lyriktauglichkeit geprüft: [...] ein an / geschlagenes tschüs mit // spitzer gabel aufgespießt im / kochtopf schwelt der letzte satz [...]
(„stress los“)
Viel Sinnlichkeit und gegen den Strich gebürstete Sehnsucht spricht aus einigen Texten. [...] näher noch / meiner seel // halte ich / eine hymne lang // deine gleiche / näher noch / deiner seel: // das wir - vielleicht später („bloß mühe los“)
Selbstverliebte Innenschau wird man in dem Buch nicht finden, die Ironie tritt der Melancholie auf die Zehen und die desillusionierende Außenwelt mitsamt ihrer „po/politik“, ihren „ab schiebung“(en), ihren „zähnefletschern“ macht vor der Lyrik auch nicht halt.
Und doch scheint mir dieses Buch besonders viel Musik zu enthalten, ausdrückliche und unterschwellige. Wortmusik jedenfalls. [...] wie durch ein glaukom sätze silbern / nur im klang der flöten / auf dem dach / tauen die worte // suchen sich sätze / fügen sich - / erfühlen sich im takt // :schreiben ist deine musik / zu sagen hast du nichts („musik sucht worte“)
Ausgerechnet „kein gedicht mehr“ ist der Titel des vorletzten Gedichtes: ich will dich nicht / gedicht // ich streue dich bloß aus / aus meinen fingern zirka // bis -bloß ein paar worte ungelenke / einfach so [...] bis ich selber einging / ich mich häuten / ließ von dir - // :wenn nun meine heute enden / übertrauerst du mich denn // du nicht“
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Literarisches Österreich, 2009/2, S 28/29, Wolfgang Ratz
GEGENWARTSLITERATUR 1767
Wortreich verschwiegen
Der Kopf der Lyrik, sagt man oft, ist der Titel, unter dem zahllose Gedichte zwischendurch gebündelt ins Licht der Lese-Realität treten.
Dine Petrik hat den Titel klug gewählt, denn einerseits bezeichnet das Wortpaar „wortreich.verschwiegen“ das Wesen der Lyrik überhaupt, andererseits bezeichnet es sehr genau, was sich im Innern des Gedichtbandes so alles abspielt.
Kernsituationen wie Liebe, Reisen, Kindheit, Zeit lassen immer auch einen gewissen Wortüberschwang zu, der aber allzu bald an jene Grenze stößt, wo „Verschwiegenheitspflicht“ herrscht.
Dine Petrik überschreibt die einzelnen Sequenzen mit GEGEN ÜBER; HINTER BLIEBEN; STÄDTE STÄTTEN, LANG ÜBER KURZ, CITY NÄHE. Manchmal erinnern diese Überschriften an eine verhörte Situation, worin jemand noch einmal nachfragt, aber bereits eine andere Antwort bekommt, aber auch eine frische Schreibweise kann plötzlich einen neuen Sinn ergeben, der Ausriss aus einem geseufzten Sprichwort oder das Aufbrechen eines kernigen Begriffes wie City, worauf hin nur noch eine vage Entfernungsangabe übrig bleibt.
Wortreich verschwiegen ist vielleicht die paradoxe Parade-Konstellation für Liebende, Angebetete und Verlassene, wobei die Sprache zwischen noch ungebrochen hervorquillt, aber der Sinn-Strahl bereits unterbrochen ist und die wichtigsten Sachen bereits verschwiegen bleiben.
So eine kleine Sequenz mit dem Mond zeigt diese Ambivalenz, einerseits zeigt er am Firmament bloß immer eine Seite, aber auch am Liebenden an der Seite bleibt immer bloß der eine Schatten eines Mondes haften.
„mond geladen // treibst mich herum / spießt dich erdlich // durch die pupille / fühlst mich aus // verwirrst mir die / für morgen früh / gestimmten lieder // bist oft voll / und zeigst mir // doch nur eine seite / nacht für nacht // :hab ich dich satt“ (12)
Immer wieder kippen scheinbar eindeutige Bilder um und ergeben einen neuen Sinn, ob es sich um einen Hauch aus der fernen Kindheit handelt oder um eine scheinbar unsichtbare Handbewegung während einer Reise, plötzlich von einer Zeile zur nächsten erschließt sich im Gedicht nach vorne und hinten gleichermaßen ein neuer Sinn.
„ich will dich nicht / gedicht“ (83) sperrt sich am Schluss das lyrische Ich gegen diesen permanenten Parforce-Ritt durch Bilder und Zeichen jenseits aller Gemütlichkeit des Eindeutigen.
„wortreich.verschwiegen“ ist ein geduldiges Schleifen an der Zeit, ein permanentes Abtasten jener Grenze, an der zuerst nur noch geflüstert werden darf, ehe sich der Sinn im Verschwiegenen zeigt.
Dine Petrik: wortreich.verschwiegen. Gedichte. Mit Fotos von Gerald Zugmann.
St. Pölten: NÖ-Literaturedition 2009. 87 Seiten. EUR 20,-. ISBN 978-3-902717-01-6.
Dine Petrik, geb. 1942 im Burgenland, lebt in Wien.
Helmuth Schönauer 20/10/09
"wortreich. verschwiegen“ ist nunmehr der fünfte Gedichtband von Dine Petrik.
Die gebürtige Burgenländerin bestätigt darin ihren autonomen, stimmigen Stil der Wortverrückung und verschiedener Konstellationen.
Das kann zwar manchmal beim Lesen etwas mehr Einsatz abverlangen, ist aber auf der anderen Seite bei Lyrik ein absolut berechtigtes Kalkül.
Petrik weiß mit Sprache und Worten umzugehen, rein gefühlsmäßig möchte ich meinen, dass kein Wort zufällig den Weg aufs Papier gefunden hat.
Das Gedicht „von dir zu mir“, in Erinnerung an den persischen Dichter und Mystiker Rumi geschrieben, wird nicht nur dem zugewidmeten Dichter gerecht, es endet einfach wunderschön:
„ .... wenn wir / ineinander // atmen wird ein / garten sein in // unseren augen / die sich lachend // in die zukunft heben“
Die Gedichte in diesem Band sind in fünf Kapitel unterteilt, die jeweils mit einer Fotografie von Gerald Zugmann eingeleitet sind. Daraus entwickelt sich eine harmonische Zusammenarbeit, die durch die gewohnt ansehnliche bibliophile Ausstattung der Literaturedition Niederösterreich ein wahrlich schönes Buch ergibt.
Und weil Lyrik auch einmal wehtun darf, sei an dieser Stelle der letzte Vers von „alte ikone“ zitiert, damit Sie sich, werte Leserin, werter Leser, ihr eigenes poetisches Bild machen, das einfach lange noch nachklingt:
„... hockt im gestell / der jahre schräg // der mond ein / rostiger heller zeit / nickt aus ikonen // alt der song / von Johnny Cash: // ein solo schmerz“
P0DIUM 153-154, S 179, Rudolf Kraus
Dine Petrik geht als Lyrikerin unbeirrbar ihren eigenen, unverwechselbaren Weg. Ihr ausgeprägtes Sprachbewusstsein, kühne Wortkonstellationen, ein behutsames Verändern und Verrücken der Worte, das auch klugen Witz und Esprit nicht entbehrt, lassen eine neue Sicht auf Alltägliches entstehen. Mit den so entstehenden Bildern und dem für ihre Gedichte charakteristischen eigenwilligen formalen Aufbau konfrontiert sie den Leser mit den Gedanken einer querdenkenden und querschreibenden Frau, deren Gedichte kein oberflächliches Lesen zulassen.
Verlag, Dine Petrik, 4.10.2009

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Bibliotheca Alexandrina. Unterwegs auf Weltwunderboden
...In einem Band, der Fotos der Bibliothek von Gerald Zugmann enthält, macht die öster- reichische Autorin Dine Petrik in leichtem, persönlich gefärbtem Reportagestil einen
Streifzug durch den Neubau, durch die alte und neue Geschichte der Ptolemäerstadt und der
antiken Bibliothek - der Geburtsstätte der systematischen Philologie und Lexikographik.
SÜDDEUTSCHE Zeitung, St.V2/4-V2/5, Deutschland, 22.Nov. 2005
...Dine Petrik setzt sich in Bezug zum Gegenstand ihres Textes, aber sie vergisst dabei nie, dass nicht sie selbst der Gegenstand ist. Sie artikuliert ihre Reaktionen, ihre Gedanken, auch Wertungen, sie macht die Subjektivität ihrer Wahrnehmungen deutlich und somit kritisierbar.
Aber sie verzichtet auf jene sentimentale Selbstbeobachtung, die manche Reportagen unerträglich macht.
Die Presse, SPECTRUM, 30.Juli 2005, Thomas Rothschild
...Petrik war in der Gegend der Bibliotheca Alexandrina unterwegs, auf Weltwunderboden,
und hat anhand dieses, man könnte sagen, Remake eines Weltwunders, die verwirrende und bewegte Geschichte der Region zu einem essayistisch gefärbten Reise-Architektur-Geschichtsband gemacht.
Der Standard, ALBUM, Architektur, A8, 20.August 2005, Ute Woltron
Dine Petrik schreibt das Porträt der ägyptischen Stadt Alexandria und gerät
ins Schwärmen: “In hellen und weiten Schwüngen steigt die Stadt aus dem Meer.
Aber bald lenkt sie ihren Blick von der Gegenwart ab, bringt sie die mächtige
Geschichte ins Spiel, und weiß auch von ihr großartiges zu berichten, von
Alexander etwa, der vor den Pyramiden ehrfürchtig erschauert und die alte
Kultur begeistert studiert. Petrik widmet sich freudig der neuen Architektur,
vor allem dem gigantischen Neubau der Bibliothelk
SALZBURGER Nachrichten, VIII, 2005, (R. beste Bücher) Anton Thuswaldner
... Dine Petriks Buch ist Reisebeschreibung und Liebeserklärung an Ägypten im All- gemeinen und Alexandria im Besonderen, ein Schwelgen in Geschichte und vielerorts auch ein Spekulieren. Fragen nach dem Standort der alten Bibliothek, Kleopatras Hafen und den vielen untergegangenen Monumenten und Schiffen werden aufge- worfen und die ewig unbeantwortbare Frage „Was wäre gewesen, wenn?“
...Gerade diese persönlichen Emotionen, Gedanken und Mutmaßungen machen die Geschichte, welche einer Handlung im eigentlichen Sinn entbehrt und sich „nur“ aus Umgebungsbeschreibungen und Assoziationen geschichtlicher Ereignisse zusammensetzt, sympatisch und selbst für Unkundige und Laien auf dem Gebiet der Ägyptologie interessant und lesbar.
KOLIK Zeitschrift für Literatur, Nr. 33, März 2006, Astrid Reupichler
Dine Petriks literatisch-essayistische Ägyptenreise stellt Alexandria und die Bibliothek in dem Mittelpunkt. Ihr Schreiben führt die Autorin von der Gegenwart bis in die Vergangenheit und wieder zurück. Sie nähert sich schreibend der Geschichte von
Alexander und dem Bau der Stadt als „Schnittpunkt der Welten“ ebenso wie jener von
Cleopatra und Cäsar, des europäischen Imperialismus und der Befreiung davon und
widmet sichj liebevoll dem heutigen Alexandria. Der Reisebericht zeigt von genauer
Recherche und zeichnet die architektonische und kulturelle Bedeutung der Bibliothek
von ihrer Gründung über ihre Zerstörung bis hin zum Neubau auf sensible Art nach.
Die persönlichen Beobachtungen der Autorin führen uns dazwischen immer wieder in
die Gegenwart einer Stadt, deren „ganz eigenes Flair“ sich im „hellgolden flutenden
Mittelmeerlicht“ zwischen der „Riesenscheibe“ der Bibliothek und den sie umgebenden
Zeugen alter und gegenwärtiger Kultur entfaltet ...
Österr. KULTURFORUM KAIRO, Andrea Rosenauer (Lektorin a.d.Shams Univ. Kairo) Lesung D. Petriks im KF Kairo am 14.11. 2005, 18 Uhr
Andrea Rosenauer:
Petrik erzählt in Kairo, wie in ihrem Kopf ein Film abzulaufen begann über das antike Zentrum des Wissens und das versunkene Weltwunder, den Leuchtturm von Pharos ...
Zwischen den Autos des modernen Alexandria den Geist Alexanders des Großen zu spüren,
das bedarf eines poetischen Talents. Dine Petriks „Bibliotheca Alexandrina“ hat dieses
Talent, Sie lässt zwischen den hypermodernen Stein- und Glasfassaden der neu erbauten
Bibliothek den Geist des Altertums wieder erstehen, baut vor unseren Augen den als Weltwunder geltenden Leuchtturm auf und hält Zwiesprache mit Alexander, dem Gründer der Stadt...
BÖRSEN-KURIER, 49/L, 2004, Christiane Laszlo
In ihrem neuen Buch „Bibliotheca Alexandrina“ porträtiert die österreichische Schriftstellerin die
Metropole und deren große Tradition ... Auch das moderne Alexandria wird von Dine Petrik beschrieben und bedacht. Vor allem beschäftigt sie sich mit der wieder aufgebauten Bibliothek,
die nicht nur ein bedeutendes wissenschaftliches Zentrum, sondern auch ein Meisterwerk der zeitgenössischen Architektur ist.
WIENER Zeitung, Porträt, S 8, 16. Dez. 2005
Bei Bibliotheca Alexandrina handelt es sich um einen Reisebericht, der – mit allen Qualitäten literarischer Sprache versehen – auf eine bekömmliche Art Geschichte verabreicht. Denn dieser
begegnet die Autorin während ihres Besuches in Alexandria mit jedem Schritt. Natürlich bedarf es
des kundigen Auges, um die vorgefundenen sprechenden Zeugnisse der Vergangenheit auch als solche zu erkennen, und des dazugehörenden Wissens, um die mit ihnen verknüpfte Geschichte zu erzählen. Aber auch jüngst entstandene Bauwerke – wie die 2002 neu eröffnete Bibliothek – lassen ihre antiken Vorgängerinnen vor dem geistigen Auge der Besucherin wieder erstehen...
(SIC!), Forum für feministische Gangarten, 51, Dez. 2004, Hilde Grammel
... Nun wurde von der ägyptischen Regierung ein neues Bibliotheksgebäude errichtet mit dem
größten Lesesaal der Welt. 2002 fertig gestellt, besitzt die Dachkonstruktion einen Durchmesser
von 160 Metern, der Lesesaal bietet 2000 Studierenden Platz. Auf der Fassade, die mit Granit
platten verkleidet ist, befinden sich 6300 Schriftzeichen der verschiedensten Schriften und Sprachen. Ein architektonisches und ideelles Weltwunder...Dine Petrik hat sich eingehend mit dieser Materie befasst, dennoch ist das Buch kein wissenschaftlicher Essay, sondern eine Literarische Kulturreise, die es genau zu lesen gilt, um die Fülle an Informationen nicht zu übersehen ...
Podium, 137/138, 2004, Manfred Chobot
... Ausgehend von der Faszination einer visionären Architektur am Knotenpunkt zwischen Asien,
Afrika und Europa, hebt ein literarischer Essay an, der in assoziativen Kaskaden Geschichte und
Gegenwart dieses Weltwunderbodens, auf dem die neue Bibliothek steht, Revue passieren lässt ...
Etcetera, H. 22, Nov. 2005, Thomas Fröhlich
....Immer wieder sind es bauliche Elemente, Blicke auf Gebäude, auf die Stadt, -
von den Ägyptern als “Perle des Mittelmeeres” bezeichnet, die Dine Petrik zu
Exkursen in die jahrtausendealte Geschichte dieses “Weltwunderbodens” einlädt
...ein assoziatives Herangehen an die Geschichte Ägyptens, der Ptolemäer, der
Griechen und Römer und natürlich Kleopatras. Die Lyrikerin Dine Petrik
verleiht diesen historischen Exkursionen eine Sprache, die uns eintauchen lässt,
ja gerade zu hineinzieht in den Strudel der Vergangenheit ...
LITERARISCHES Österreich, 2/2007, Judith Gruber Rizy
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Jenseits von Anatolien. Eine Reise ins Oströmische Reich
... Aus ihrer Ablehnung von Nationalismen, der türkischen im Besonderen, macht Petrik
keinen Hehl. Zum Teil heftig polemisierend schreibt sie dagegen an, stellt sich vorbehaltlos auf die Seite der Entrechteten. Nicht nur die Grenzen von Zeit und Raum, auch die des eigenen Ich werden gesprengt: „Hinter der Römerstraße herrschten sie einst, die Hunnen.
Ich war eine von ihnen. Ich konnte die anderen sein. Alle konnte ich sein.“ Wenn sie mit
den Samstagsmüttern am Galatasaray-Platz in Istanbul gegen das Verschwinden von deren Familienangehörigen demonstriert ... Ein Reisebericht, der Fremdes vertraut bzw. nachempfindbar macht und neben sachlichem Erzählen auch lyrischen Passagen breiten Raum gibt.
Der Standard, ALBUM, 21. Dez. 2002, Barbara Angelberger
... Petrik vermag die Geschicke des Orients mit denjenigen ihrer Heimat immer wieder zu
verflechten und so Betrachtungshorizonte aufzureißen, die das Verbindende weit über das
Trennende stellen. Opfer und Täter können nicht sauber voneinander getrennt werden, jede moralische Anmaßung greift zu kurz. Trotz ineinander geschobener Stile, manchmal fast abgehackte Erinnerungsbeschreibung, dann lyrische, auch elegische Partien, bleibt dieses Buch ein Versuch der Orientierung: im Einholen des Fremden eine Begegnung mit dem Eigenen.
Die Presse, SPECTRUM, 21./22. Sept. 2002, Peter Kampits
Dine Petriks Texte – Hybride aus Essay und Reisebericht, kreisen höchst anregend um eine
alte und noch immer aktuelle Frage: jene, was das Fremde sei. Dies freilich geschieht nicht
abstrakt und aphoristisch, es geschieht im Entdecken, das sich im Reisen und Nachlesen vollzieht. Das Fremde ist dabei nicht zuletzt der oftmals zur Herausforderung „wahrer Kultur“ stilisierte Islam, das Eigene jenes Abendland, dem Dine Petrik in mehr als einem Fall
Bigotterie und eine reichlich pragmatisch definierte Moral nachweist.
LITERATUR und KRITIK, H. 367, Sept. 2002, Martin A. Hainz
Stolpernd im Osten. Mehr als dreimal gen Osten hat sich die österreichische Autorin Dine Petrik verneigt, um ihre große Reise ins Weichbild des Seldschuken-Reiches vorzubereiten. Jenseits von Anatolien sucht sie die Spuren des oströmischen Imperiums und findet – neben Ruinen von Troja und Babylon – den Scherbenhaufen manch tragischer politischer Realität. Quer durch die Lande hat sich die Protagonistin aufgemacht, um im Gestern das Heute und
im Jetzt das Vorgestern aufzuspüren ...
Neue Züricher Zeitung, 28, 29. Sept. 2002, Christiane Zintzen
Dine Petrik wandert durch die Geschichte, hebt einen Stein auf und macht ihn zum Beginn
einer Erzählung, fällt über einen Stein und von einem Staunen ins andere... Sie sucht nach
Anfängen und Ursprüngen; nach Übergängen und Brücken zwischen den Kulturen. Ihr
Empathie gilt dem kurdischen Volk ...
Weiber Diwan, Herbst 2002, vab
... Die Faszination, die der Osten auf die Autorin ausübte, wird in schnellen, poetischen Bildern erzählt: das burgenländische Mädchen, das die Sprache der Nachbarn nicht kann, empfindet dennoch eine Verwandtschaft zu jenen, die „nicht deutsch“ sind...
Podium, 127/128, 2002, Barbara Neuwirth
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Die Hügel nach der Flut. Was geschah wirklich mit Hertha K.?
...Die Versatzstücke des gedachten Bildes der Wirklichkeit schleudert uns Petrik mit syntaktischer
Kraft entgegen; mit einer Intensität des Mit-Empfindens, fast Selbstaufgabe der eigenen Persönlichkeit, um die andere aus sich wachsen zu lassen, die mitreißt. Man muss die Versatzstücke
selbst auffangen und ordnen. Hat man das geschafft, steht man vor dem zwar unvollendeten, aber berührenden Modell eines Gefühls-Kosmos, der einen umfängt wie ein Spiralnebel: rasend, mit
elementarer Wucht in seine Ordnung ziehend.
LITERATUR und KRITIK, H. 319, Nov. 1997, Reinhold Tauber
... Petriks Buch ist ein fulminanter Text, der das innere Erleben der Kräftner – aber nicht abgehoben
von den fatalen äußeren Bedingungen – aus dem „Nichts“ hervorstampft ... Die Vergewaltigung, die noch dazu mit dem Schuldgefühl beschwert wurde, indirekt am Tod des Vaters schuldig zu sein,
wird in Petriks Erzählung thematisiert. Dass sie sich dabei auf ein Neuland in der Beschreibung von
Kräftners Gefühlen und Vorstellungen begibt, dass sie der Verzweiflung, die zum Auslöschen des
eigenen Ich letztlich führte, ihre Geschichte zurück gibt, ist nicht hoch genug einzuschätzen.
Literaturzeitschrift VIRGINIA, Frankfurt, Nr. 25, Okt. 1998, Barbara Neuwirth
...Petriks Text ist trotz mancher wackeliger Bilder berührend, exponiert in der Form und alles andere
als eine Seifenoper. Die begann erst, als das Buch heraußen war . Gesichert sei, wurde behauptet,
doch nur ein Tumult im Hause Kräftner, bei dem allerdings die Hebamme von einem Sowjet-Soldaten
erschossen und Kräftners Vater durch einen Säbelhieb eine schwere Verletzung erlitt, der er später
im Krankenhaus erlag ... Petrik mischt Bericht, Zitat, Gedanken und Ansprechen der Figur Hertha K.,
bis zwingend der katastrophale Ablauf klar wird, ein Leiden, das unheilbar ist, weil es sich nicht
erklären kann ... Dass hier nicht nur jedes Detail der Nachkriegszeit sondern auch die Psyche in sich
stimmig ist, macht die Erzählung, die alles andere ist als eine Einzel-Biographie, zur Biographie ...
Literaturzeitschrift MORGEN, H. 115/1997, Hahnrei Wolf Käfer
In ihrem auf gründlichen Recherchen basierenden Buch ficht Dine Petrik althergebrachte Sichtweisen
vehement an. Sie geht dem Innenleben der Autorin mit einer empathisch-projektiven Methode nach
und kommt dabei zu ganz anderen Schlüssen als die männliche Literaturkritik. Untrennbar verbunden
mit der Todessehnsucht und dem letztlichen Freitod Hertha Kräftners im Alter von 23 Jahren sieht die
Autorin ein Zerstörungswerk, das an ihr begangen wurde: Vergewaltigung durch russische Besatzungssoldaten ebenso wie das Gefühl, schuldig zu sein am Tod des Vaters und einer weiteren Frau...
Kulturzeitschrift (SIC!), Nr. 20/21, Sept. 1997, Hilde Grammel
Aufgrund von intensiven Recherchen und aus innerer Sicht versucht Dine Petrik das bewegte Leben ihrer Dichterkollegin Hertha Kräftner nachzuzeichnen. Sie tut das aus der strengen Perspektive
jener Generation, die den Zweiten Weltkrieg nicht mehr bewusst miterlebt hat.... Das vorliegende
Experiment macht Lust auf Frauenliteratur, nicht nur von Ingeborg Bachmann, an deren Lebens-schicksal der Leser unwillkürlich erinnert wird, sondern auch von Hertha Kräftner und Dine Petrik.
Literaturzeitschrift CHANUKKA, 9 J. Nr. 35, Dez. 1997, Pierre Genée
...Die Ineinanderfügung von realen und imaginären Szenen, von emotionalem Nachvollzug eines
schwierigen Lebens und komplizierten Erlebens mit der Einbindung in die Klüngel-Welt der Kunstszene der Nachkriegsjahre, der rasante Wechsel von Punkten realer und der Seelen-Geografie verlangt danach, ohne Unterbrechung, ohne Störung vereinnahmt zu werden. Eine Recherche,
die selbst schöne Literatur geworden ist.
OÖ-NACHRICHTEN, Sa. 9. Aug. 1997, Reinhold Tauber
...Die Autorin ist in der Zeit der intensiven Recherchen und des Schreibens der Dichterin Hertha
Kräftner sehr nahe gekommen. Sie hat traumatische Erlebnisse der jungen Kräftner aufgedeckt und
Behauptungen (männlicher) Biographen korrigiert. Die einfühlsame psychologisch-literarische
Studie ist kein üblicher biographischer Roman, sondern, so Dine Petrik: „Ein Nachgehversuch“.
BRIGITTE Redaktion, H. Aug. 1997, Christiane Holler
... Ein würdiges und eindrucksvolles Pendant zur Sprache von Hertha Kräftner soll das Schweigen
brechen und eine unerträgliche Ungewissheit auf ein fassbares Maß reduzieren. Dine Petrik möchte
„ihrer“ Autorin dabei ganz nahe kommen, um in Zeit und Welt ihrer Bilder einzudringen ...
SALZBURGER Nachrichten, VIII, Sa. 19. Juli 1997, Johann Auinger
Die Autorin, selbst im Burgenland aufgewachsen, ist dem Leben ihrer „Landsmännin“ nachgegangen, erzählt es nach: Die NS-Ära, die unter der jüdischen Bevölkerung „aufräumt“, die Russen, die Hertha
Kräftner vergewaltigen und ihre Beschützer umbringen, der Literaturkreis im besetzten Wien, in dem
Hochstimmung und Depression einander abwechseln. Eindrücke also, die eine sensible Seele in
einen Sog von Glück und Verzweiflung stürzen. Was für eine lyrische, atemlose Sprache! Man liest wie gehetzt. Dine Petrik, bislang Lyrikerin, bleibt auch bei genauen Recherchen ihrem Stil treu, und doch legt man das Buch aus der Hand mit dem Gefühl, Hertha K. selbst gelesen zu haben
DREHBUCH FAMILIE, Juni 1997, 20 Jg. H. 3
... Das Porträt dieser unglücklichen, gescheiterten und sensiblen Frau wird durch die Reduktion der
Ausdrucksmittel, eine beklemmende Verdichtung der Sätze zu Schlagwörtern und Schlagfragmenten,
zum Ausdruck gebracht. Dine Petrik ist hiermit nicht nur eine exakte Biographie gelungen, sondern
auch der Versuch, Hertha K. „von innen“ zu beschreiben – bis zur völligen Identifikation ...
DIE ZEIT IM BUCH, Jg. 52, H. 3, 1998, Gabriele Frittum
...Die Schriftstellerin entschließt sich zu einer imaginären Flucht und taucht in realen und surrealen
Paris-Bildern unter. Aber spätestens wenn das Geld verbraucht ist steht die Realität wieder vor der
Netzhaut. Die Kunst der Hügel von Montmartre, alles ist aufgeweicht und verschlammt, wie nach
einer Flut. Diese deprimierende Erzählung von Dine Petrik gibt genau die Stimmung des Schlammes wieder, wie sie etwa Gerhard Fritsch oder Hans Lebert in ihren Romanen als geheime Fahne des
Damaligen Österreichs aufgezogen haben.
BLICKPUNKT EXTRA, Landeck II, Nr. 36. Sept. 1997
Ich stecke derzeit gerade mitten in Dine Petriks „Die Hügel nach der Flut“ (Otto Müller Verlag)
und bin fasziniert von ihrer subtilen Umsetzung der Gedanken- in die Sprachwelt.
FORMAT, Magazin für Politik, „Was lesen Sie?“, Nr. 17, 19. April 2002, Heide Schmidt
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Ausgewählte Gedichte – Podium Porträt 32
bin ein quer / liegendes ding steht schon im ersten Gedicht der Auswahl mit dem Titel "aus und anflug". Auch wenn die Gleichsetzung von lyrischem und realem Ich zu zahlreichen Missverständnissen Anlass geben kann, passt diese Zeile gut, sowohl auf die querdenkende und querschreibende Autorin, als auch auf ihre sperrige Sprache. Sich an thematischen und sprachlichen Widerständen zu reiben, wurde geradezu Programm im Titel ihres zweiten Lyrikbands "Befragung des Zorns". So auch in den Schlusszeilen des erstzitierten Gedichts: ... frei / lich an ecken ecke / ich härter an.
Der Zeilenumbruch mit dem ungewöhnlichen Enjambement ist charakteristisch für Petriks Sprachstil. Hart an hart aneinander und ineinandergefügt durchdringen sich die Bilder, kollidieren, koexistieren in einer strittigen Simultanität des Gesehenen. "Vexierbilder" nennt Christa Nebenführ in ihrem kundigen Vorwort diese Sprachgebilde, in denen das Bild je nach Betrachtungswinkel "umzuspringen" scheint.
Dazu noch ein Beispiel, diesmal aus dem Gedicht "im eck": am herd der / langen leiden / schaft entlock / ich der aus luft / gemachten ruhe / noch ein beben ...
Petriks Lyrik zielt nicht auf Überwältigen und Sichüberwältigenlassen durch Emotion. Diese Gedichte konfrontieren den Leser mit ungewohnten, oft scheinbar inkongruenten Bildern, wo sich Bedeutungsschichten überlagern und entziehen sich auch einem Sprachspiel um des reinen Spieles willen. In ihrer Knappheit und dichten Konstruktion setzen sie dem oberflächlichen Lesen einen rauen Widerstand entgegen. Atem holen lassen die Gedichte vor allem durch ihre ironische Selbstsicht, wie in "das es vorm ich": ... ins papier mit / dem erdachten und / dass kein verstehen / ausbricht.
Die mehrfach preisgekrönte Autorin ist auch als Malerin, Reiseschriftstellerin und Essayistin hervorgetreten. Für Aufsehen sorgte Petriks literarische Hertha Kräftner-Biographie.
Ihre lyrische Stimme ist unverwechselbar und es bleibt zu hoffen, dass diesem Podium-Porträt noch weitere so präzise Erforschungen dieser Literaturgattung und ihrer Möglichkeiten folgen werden, wenn im Vorwort auch eine Abkehr vom Gedicht und Hinwendung zu anderen Ausdrucksformen angedeutet wird.
Literarisches Österreich /2, Sept. 2007, Wolfgang Ratz
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Befragung des Zorns
Dine Petrik erweist sich als Nachlassverwalterin der Konkreten Poesie und des Spätexpressionismus,
dem sie in manchen Gedichten stilistische Geschlossenheit opfert. Doch finden sich in diesem Band
einige Gedichte in einem ausgeprägtem Sprachlot ...Das Ich dieser Gedichte fragt, ob es sein Gegenüber wirklich kennen könne, ob das Du diesen Titel überhaupt verdiene, ob es sich einlassen
solle auf den „gletschergrauen“ Blick. Gedichte, die bei allem Zorn uns daran erinnern, dass wir uns
im Zweifelsfalle nur unserer Unsicherheit in allen Dingen des Lebens sicher sein können ...
Die Presse, SPECTRUM, 25,/26.März 2000, Rüdiger Görner
...Kurzskizze des Weltbildes, das entworfen wird von einer hochsensiblen Frau, deren Nervenkostüm fragil ist, die über einen unerschöpflich scheinenden Metaphern-Schatz verfügt,
der allerdings verschwenderisch hingeschüttet wird.
OO-NACHRICHTEN, Literatur, Fr. 22. Okt. 1999, R.T.
Diese Gedichte überwinden Raum und Zeit, um sich doch wieder zu erden. Denn sie stehen
wie Wortskulpturen fest verankert im Raum und haben Anfang und Ende wie ein Musikstück.
Sie sind tonal und atonal gleichzeitig; spielen mit verschiedenen Sprachebenen. Weil sie
den Zorn befragen, sind sie wohl im innersten auf der Suche nach Liebe ...
Etcetera, H. 1999, Doris Kloimstein
... Manche der Gedichte sind graphisch gestaltet gesetzt, die äußere Form wird als Teil des Kunst -werks gedacht, ein Anklopfen an den Ideen des Konstruktivismus trotzt da und dort in schweren dunklen Lettern der Leserin entgegen. Viele der Gedichte bleiben dunkel, sind Blicke in eine andere Welt, die von der Autorin nicht verkauft wird, worauf sie den Blick aber zu teilen bereit ist.
Weiber Diwan, Winter 1999, Barbara Neuwirth
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Sonaten für Wasser und Wind
Daß lyrische Gedichte heutzutage keineswegs antiquiert sein müssen, beweisen Dine Petriks
„Sonaten für Wasser und Wind“... Die in Wien lebende Malerin schreibt seit ihrer frühen Jugend
Poeme. Ängste, Geheimnisse, Erinnerungen und Phantasien haben sich in ihre Texte als kleine
Verschlüsselte Botschaften eingeschrieben ...
Die Presse, VIII-Literaricum, Elisabeth Groz, 13./14. Okt. 1990
Mit der Lyrik ist es in unseren Zeitläuften so eine Sache. Es gibt viele, die sich darin erproben,
und nur wenige, die sie lesen. Unzählige Stümper fühlen sich berufen; als Butzenscheiben-Dichter
rücken sie ihrer lyrischen Sehnsucht zu Leibe, zu hunderten füllen sie Selbsterfahrungskurse an
Volkshochschulen. Dine Petriks Poeme enthüllen ein zartes Gefühl für die Sprache, eine Ernsthaftigkeit, die aus wirklicher Begabung erwächst ...
AZ: Arbeiterzeitung, Feulleton, Günter Kaindlstorfer, Sa. 19. Mai 1990
Gedichte, die bis in die verdrängten Verwundungen des Ich reichen, hat Dine Petrik zusammen
gefasst. Ängste, kaum verschorfte Verletzungen, die auch sprachlich schwer einzufangen sind,
erscheinen als Triebfeder des Gestaltungswillens. Petriks Poesie ist ein Hineinhorchen und
ein Verlangen, diese namenlosen Impulse seismographisch aufzuspüren ...
DIE FURCHE, 1990, Helmut A. Niederle
...Wie aus einem tiefen Brunnen holt Dine Petrik Bilder aus der Kindheit herauf, wendet das
individuelle Erleben ins Mythische und lässt meist einen Grundton von Skepsis und Resignation
anklingen. Die Natur dient ihr dabei aber nie als bloße Behübschung der Gedanken ...
Der Standard, ALBUM, „Kurztipp“, Juli 1990, W.K. |
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